Kornburgs Aufbruch in ein unbekanntes Land

Der Neu-Bayernligist versucht sich mit der Situation anzufreunden, vom Verband in die Süd-Gruppe gesteckt worden zu sein

VON ROBERT GERNER

KORNBURG — In den Wochen zwischen Landesliga-Meisterschaft und Bayernliga-Start hat es in Kornburg zunächst nur ein Thema gegeben: Warum nur muss eine Nürnberger Fußballmannschaft in der Bayernliga Süd um Punkte spielen mit Anfahrtswegen von bis zu 300 Kilometer einfach? Hätte der Verband das nicht irgendwie anders regeln können?

In München hat man tatsächlich den schüchternen Versuch unternommen, die unglückliche Situation zu entschärfen – in Form einer Umfrage. Denn nach der zusätzlichen Aufnahme des TSV 1860 München II gab es ja in der Bayernliga Süd 19 Mannschaften und in der Bayernliga Nord 18. Mann hätte also die beiden „strafversetzten“ Teams aus dem Kreis Neumarkt/ Jura (ASV Neumarkt, TSV Kornburg) nach Norden verschieben können und eine 20-er-Liga im Norden (mit verschärftem Abstieg) und eine 17-er-Liga im Süden installieren können. Die Zahl der Spieltage insgesamt hätte sich dadurch nicht geändert.

Bloß: Die Vereine aus der Bayernliga Nord wollten dies mit großer Mehrheit nicht, und die Zentrale in München beließ es bei der ursprünglichen Einteilung.

Mit Klagen gedroht

Der Frust in Neumarkt und Kornburg war entsprechend groß. In Neumarkt warf Teammanager Georg Laube genervt das Handtuch (und wurde inzwischen durch den Ex-Schwabacher Thomas Schlecht ersetzt, der in Personalunion auch noch Marketingdirektor ist). In Kornburg überlegte man zwischenzeitlich, ob man gegen die Verbandsentscheidung gerichtlich vorgehen sollte, womit man sich in der BFV-Zentrale logischerweise nicht allzu viele Freunde gemacht hat.

Inzwischen ist klar: Die Juristen müssen sich nicht um irgendwelche Gruppeneinteilung in Fußball-Ligen kümmern, sondern können sich weiter ihrem Kerngeschäft widmen. Herbert Heidenreich, der sportliche Leiter der Kornburger, hat den Ärger hinuntergeschluckt und blickt nach vorne: „Die Geschichte ist durch, wir versuchen es jetzt einfach mal.“ Klar ist: Die Fahrten zu den Auswärtsspielen sind lang und teuer, die Einnahmen bei den Heimspielen – Zuschauerschnitt in der Landesliga: 230 – dürften sich nicht groß nach oben entwickeln, weil gegnerische Mannschaften wie Kirchanschöring, Chiembau Traunstein oder 1. FC Sonthofen vermutlich nicht allzu viel zahlende Kundschaft mitbringen.

Für Sponsoren interessanter

Auf der anderen Seite kann sich Kornburg mutmaßlich die höheren Kosten leisten. „Durch den Aufstieg haben wir den einen oder anderen zusätzlichen Sponsor hinzubekommen“ erzählt Trainer Heidenreich. „Für die ist die Bayernliga eine Größe, bei der es interessant wird.“ Es ist vermutlich deshalb interessant, weil viele Spiele per Live-Stream auf der BFVHomepage verfolgt werden können. Allzu große Erwartungen in Sachen Qualität und Perspektiven sollte man aber nicht haben. Es wurde in den vergangenen Tagen unter dem Tribünendach eine starre Kamera installiert, die in Weitwinkeloptik den gesamten Sportplatz zeigt. Für einen Überblick ganz nett, um sich auf diese Weise vor dem heimischen Rechner ein Spiel über 90 Minuten anzutun, muss man aber schon ein ganz großer Fan sein.

Hauptsponsor bleibt aber der Nürnberger Hotelier Josef Maiser, den Herbert Heidenreich schon von seinem vorherigen Engagement in Büchenbach mitgebracht hat.

Teambuilding mal anders

Maiser überweist nicht nur Geld, er hat auch vergangenes Wochenende ein Trainingslager in Regensburg ermöglicht und vor einigen Wochen einen mehrtägigen Ausflug an den Gardasee. „Teambuilding-Maßnahme“ nennt das der Coach. Dabei wurde aber nicht im Tarnanzug durch den Schlamm gerobbt. „Wir haben eigentlich die ganze Zeit den Aufstieg gefeiert“, erinnert sich Heidenreich. Keine Frage: Der Trainer und seine Spieler sind jetzt heiß auf Bayernliga. Es gibt im Verein aber durchaus Stimmen, die sagen, dass die fünfthöchste deutsche Liga für einen Verein wie den TSV Kornburg eine Nummer zu groß ist. Nicht was das Sportliche angeht. Aber das ganze Drumherum an der Kellermannstraße entspricht vielleicht nicht dem, was man ansonsten mit dem Begriff Bayernliga verbindet.

Herbert Heidenreich, 62, der als Spieler 1977 mit Borussia Mönchengladbach Deutscher Meister wurde, räumt ein, dass es hie und da noch Nachholbedarf gibt. Da sei jedoch nicht nur der Verein gefragt, sondern beispielsweise auch die Stadt. „In Nürnberg gibt es mit dem Club ja nur einen Verein, der noch höher spielt.“

Die Bayernliga ruft, dummerweise die Bayernliga Süd. Beim Betreuer- und Trainerstab des TSV Kornburg gibt es keine Änderungen. Das Gesicht der Mannschaft hat sich dagegen schon ein bisschen geändert. Acht Neuzugänge hat Abteilungsleiter Achim Kokott verpflichtet. Foto: Robert Gerner

„Ich habe hier richtig gute Jungs“

Trainer Heidenreich ist von der Bayernliga-Tauglichkeit des TSV Kornburg überzeugt

KORNBURG — TSV Kornburg in der Bayernliga Süd? Wo wird sich der Aufsteiger wiederfinden am Ende einer langen Saison? Trainer Herbert Heidenreich schätzt: im Mittelfeld.

„Es gibt fünf oder sechs Teams, die alleine aufgrund ihres Etats in anderen Sphären schweben“, sagt der frühere Club-Profi, der seit der Saison 2015/15 in Kornburg auf der Kommandobrücke steht. Auf der anderen Seite gebe es in einer 19 -er-Liga nur zwei Direktabsteiger, „und da wird Kornburg garantiert nicht dabei sein.“ Ergo: Heidenreich traut seiner Mannschaft eine gute Rolle zu. „Wir brauchen fünf, sechs Spiele, um uns zu orientieren, dann werden wir abschätzen können, wohin die Reise geht“, betont der Coach. Bange ist ihm nicht. „Ich habe richtig gute Jungs“, lobt er.

Heidenreich kann sich dabei auf ein Gerüst von bewährten Spielern verlassen, die schon seit einigen Jahren zu den Leistungsträgern zählen: Torjäger Szymon Pasko zum Beispiel, aber auch Kapitän Michi Eberhardt, Oliver Schmidt, Torhüter Arthur Ockert oder Flügelflitzer Pawel Kowal. Weiterhin unverzichtbar erscheint der Brasilianer Jackson Luis Ruziski, der seit 13 Jahren in Kornburg seine (nicht nur sportliche) Heimat gefunden hat. Junge Leute wie Kevin Schwarz oder Yanick Uschold haben dem Trainer zufolge vergangene Saison in der Landesliga große Leistungssprünge gemacht.

Doch weil Konkurrenz das Geschäft belebt, haben Heidenreich, Torwart- Trainer Adrian Milano und Abteilungsleiter Achim Kokott acht Neuzugänge verpflichtet und zwei talentierte Leute aus der zweiten Mannschaft nach oben gezogen. Zudem ist man noch auf der Suche nach einer weiteren Offensivkraft.

Königstransfer ist der 28-jährige

Dominik Rohracker. Der Mann mit Drittliga- (Elversberg) und Regionalliga- Erfahrung (Pirmasens) arbeitet seit kurzem bei adidas in Herzogenaurach und schloss sich dem Neu-Bayernligisten an. Sogar erste Liga, wenn auch in Griechenland, hat Dimitrios Kontodimos, gespielt. Zuletzt kickte der 34-Jährige aus Spaß an der Freud beim SSV Elektra Nürnberg. Im Herbst seiner Karriere will er es aber noch einmal wissen.

Vom ASV Zirndorf kam Burc Takmak zum Aufsteiger, von Bayern Kickers Alexander Sekita, den die Kornburger schon in der vergangenen Saison auf ihrer Einkaufsliste hatten. Vom Liga-Rivalen ASV Neumarkt holte der Aufsteiger den in Schwanstetten wohnenden Christoph Klier, vom FC AmbergEmmanuel Burgutzides und von der U19 des FC Ingolstadt den Torhüter Simon Kunze.

Gleich in der Nachbarschaft, beim SC 04 Schwabach, wurden die Kornburger ebenfalls fündig.Dieudonne „Junior“ Betsi Mbetssi, Franzose mit afrikanischen Wurzeln, kam in der letztjährigen Landesliga-Saison nicht recht zum Zuge bei den „Nullvierer“, Herbert Heidenreich hat er aber zunächst als „Gegner“ im letzten Saisonspiel zwischen Schwabach und Kornburg und dann in der Vorbereitung überzeugt.

Robin Kreiselmeyer und Marvin Lenz aus der eigenen „Zweiten“ haben die Vorbereitung der „Ersten“ mitgemacht.

Eine Stelle ist im Kader noch frei. Ein zweiter gelernter reinrassiger Stürmer neben Szymon Pasko soll sie ausfüllen. Ob es sich dabei um den Ex-Schwabacher Firat Kaya handeln könnte, wollte der Neu-Bayernligist bei der Mannschaftsvorstellung am Mittwochabend nicht bestätigen. Aber auch nicht dementieren.

Neuzugänge braucht Kornburg auch, denn es haben auch zahlreiche Spieler den Verein verlassen: Torhüter Tugay Akbaklar (SC Eltersdorf), Mario Feulner (Sp Vgg Diepersdorf), Urgestein Alexander Kraus (SK Lauf), Artur Dutt (Ziel unbekannt), Adam Setla (zurück nach Polen) und vor allem Tim Olschewski (SV Seligenporten). „Tims Weggang ist für uns am schmerzhaftesten“, räumt Herbert Heidenreich ein. Auch Sasa Bozic scheint in Kornburg keine Zukunft mehr zu haben. ROBERT GERNER

Sieben der acht Neuzugänge – im Bild mit Trainer Heidenreich, Torwart-Trainer Milano und Sponsor Josef Maiser – waren bei der Mannschaftsvorstellung dabei. Als Königstransfer gilt Dominik Rohracker (sitzend rechts), der vom Regionalligisten Pirmasens nach Kornburg wechselte. Foto: Gerner

Die ersten Spieltage

1. Spieltag Freitag, 14. Juli, 18.30 Uhr:

SV Kirchanschöring – SB Chiemgau Traunstein,

Samstag, 14.00 Uhr:

TSV Dachau – TSV Schwaben Augsburg, SV Heimstetten – SV Pullach,

Samstag, 15.00 Uhr:

ASV Neumarkt – TSV Kottern,

Samstag, 16.00 Uhr:

Sp Vgg Hankofen-Hailing – TuS Holzkirchen,

Samstag, 17.00 Uhr:

TSV Rain/Lech – BCF Wolfratshausen,

Sonntag, 16.00

Uhr:

FC Ismaning – TSV Kornburg, DJK Vilzing – TSV 1860 München II,

Sonntag, 17.00 Uhr:

TSV Schwabmünchen – 1. FC Sonthofen.

2. Spieltag

Freitag, 21. Juli, 19.00 Uhr:

SB Chiemgau Traunstein – TSV Rain/Lech,

Samstag, 11:30 Uhr:

TSV 1860 München II – SV Kirchanschöring,

Samstag, 14.00 Uhr:

BCF Wolfratshausen – SV Heimstetten,

Samstag, 15.00 Uhr:

SV Pullach – TSV 1882 Landsberg, TSV Schwaben Augsburg – ASV Neumarkt,

Samstag, 16.00 Uhr:

TSV Kornburg – TSV 1865 Dachau, TSV 1874 Kottern – TSV Schwabmünchen,

Samstag, 17.00 Uhr:

TuS Holzkirchen – DJK Vilzing,

Samstag, 18.00 Uhr:

1. FC Sonthofen – Sp Vgg Hankofen-Hailing.

3. Spieltag

Mittwoch, 26. Juli, 18.30 Uhr:

Sp Vgg Hankofen-Hailing – DJK Vilzing, ASV Neumarkt – TSV Kornburg, FC Ismaning – SV Pullach, TSV 1882 Landsberg – BCF Wolfratshausen, SV Heimstetten SB Chiemgau Traunstein, TSV Rain/Lech – TSV 1860 München II, TSV Schwabmünchen – TSV Schwaben Augsburg,

Mittwoch, 19.00

Uhr:

SV Kirchanschöring – TuS Holzkirchen,

Mittwoch, 19.15 Uhr:

1. FC Sonthofen – TSV 1874 Kottern.

4. Spieltag

Samstag, 29. Juli, 14.00:

Wolfratshausen – Ismaning,

Samstag, 15.00 Uhr:

Pullach – Dachau, Schwaben Augsburg – Sonthofen, Vilzing – Kirchanschöring, TuS Holzkirchen – Rain/Lech,

Samstag, 16.00 Uhr:

Kornburg – Schwabmünchen, Kottern – Hankofen-Hailing,

Samstag, 18.30 Uhr:

Traunstein Landsberg,

Sonntag, 16.00 Uhr:

1860 München II – Heimstetten.

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